Einige Tips für den Umgang mit Mädchen und Jungen
(Quelle: Gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen.
Ein Ratgeber für Mütter und Väter, herausgegeben von der AJS)
- Geniessen Sie mit Ihren Kindern liebevolle Zärtlichkeiten, aber achten Sie genau darauf, ob, wie
und wann sie das möchten. Respektieren Sie auch kleinste Zeichen von Gegenwehr
oder Unwillen.
- Unterstützen Sie Ihr Kind, auch bei anderen Menschen Berührungen, die es
nicht mag, zurückzuweisen. Ergreifen Sie Partei für Ihre Tochter oder Ihren
Sohn, auch wenn Sie sich damit den Unmut von Grosseltern, Verwandten oder
Bekannten einhandeln. Die Sicherheit Ihres Kindes hat Vorrang und ein klärendes
Gespräch mit den Verwandten kann Ihre Haltung verständlich machen. Es ist schwer
für Kinder, sich gegen Erwachsene durchzusetzen, sie brauchen dabei unsere
Unterstützung.
- Beteiligen Sie Ihre Kinder an Entscheidungen der Familie, besonders wenn es
die Kinder selbst angeht. Nehmen Sie ihre Meinung ernst, akzeptieren Sie auch
mal ein “Nein” oder ein “Ich will nicht”.
- Nutzen Sie eine ruhige Stunde, um mit dem Mädchen oder Jungen über
ihre/seine Erlebnisse, Gefühle, Sorgen oder Freuden zu sprechen. Ermutigen Sie
sie/ihn, mit anderen Vertrauenspersonen zu reden, wenn sie/er Ihnen bestimmte
Dinge nicht erzählen will. Hören Sie genau hin, was das Kind Ihnen erzählt,
fragen Sie bei Unklarheiten nach.
- Lassen Sie dem Mädchen oder Jungen ihre/seine Wahrnehmung und Einschätzung
von Situationen und Gefühlen. Bestärken Sie das Kind, sich nichts einreden zu
lassen, was ihr/ihm widerstrebt.
- Oft ist es schwierig für Erwachsene, mit Kindern offen über Sexualität zu
sprechen, aber Mädchen und Jungen brauchen eine Sprache für sexuelle Vorgänge
und Körperteile. Vielleicht fällt der Einstieg in dieses Thema leichter, wenn
Sie gemeinsam mit dem Kind ein Bilderbuch anschauen und daraus vorlesen.
- Erzählen Sie dem Kind, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt: Gute
Geheimnisse machen Freude und sind spannend, z.B. wenn man nicht weiss, welches
Geschenk es zu Weihnachten gibt. Schlechte Geheimnisse dagegen machen Kummer und
bedrücken. Bestärken Sie das Mädchen oder den Jungen, solche Geheimnisse zu
erzählen, auch wenn es ein Erwachsener verboten hat.
- Ermutigen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn, die eigenen Gefühle
auszudrücken, egal ob dies nun angeblich zu einem Mädchen oder Jungen passt oder
nicht.
- Freuen Sie sich, wenn Ihre Tochter selbstbewusst und eigenwillig ist, auch
wenn Ihr Nachbar sagt, sie sei kein richtiges Mädchen sondern ein Wildfang.
Fördern Sie diese Eigenschaften.
- Lassen Sie Ihren Sohn auch Gefühle wie Angst, Schwäche und Hilflosigkeit
ausleben und darüber sprechen.
Natürlich werden wir Erwachsenen es nicht immer schaffen, so mit Mädchen und
Jungen umzugehen, aber auch kleine Schritte helfen weiter. Allein schon ein
gleichberechtigter, partnerschaftlicher Umgang zwischen Frauen und Männern, in
der Familie und ausserhalb, ist ein Stück Vorbeugung.
In einigem sollten wir uns vielleicht selbst weiterentwickeln. Aber Mütter
und Väter müssen, können und sollen nicht perfekt sein. Vieles lässt sich auch
zusammen mit den Mädchen und Jungen lernen.
(Quelle: Gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen.
Ein Ratgeber für Mütter und Väter, herausgegeben von der AJS)

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